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Field NoteAgent Note

Das Harness verändert nicht nur, was ein Agent kann

Bei Copilot Studio beschäftigt mich gerade ein Thema besonders: das Harness. Nicht, weil es das spektakulärste neue Wort im Microsoft-Kosmos ist — sondern weil die Wahl des Harness inzwischen ziemlich grundlegende Auswirkungen auf das Design eines Agents haben kann.

02. September 2026 3 Min. Lesezeit Von Sonja Wagenbichler
Copilot StudioHarnessCopilot CreditsAgentic AIUse Case Design

Was aufgefallen ist

Beobachtung

Vereinfacht gedacht übernimmt das Harness einen Teil der Laufzeitlogik zwischen Agent, Modell, Kontext und Tools. Je nach Harness stehen unterschiedliche Möglichkeiten für Reasoning, Planung, Tool-Nutzung und Orchestrierung zur Verfügung. Und damit verändert sich nicht nur die Frage „Was kann mein Agent?“, sondern auch: „Wie viel Aufwand verursache ich damit eigentlich?“ Gerade bei komplexeren agentischen Szenarien können Modellnutzung, Knowledge, Tools, MCP, Workflows und weitere Verarbeitungsschritte Consumption verursachen. Das klingt zunächst nach einem Lizenz- oder Kostenproblem. Für mich ist es aber vor allem ein Use-Case-Design-Problem.

Field Note · Blueprint

Wie viel Agentic Work rechtfertigt der Use Case?

Dieselbe Aufgabe lässt sich auf sehr unterschiedlichen Stufen aufsetzen — mit entsprechend unterschiedlicher Reasoning-Tiefe, Orchestrierung und Consumption:

  1. Lean

    Ein guter Prompt oder ein einfacher Agent. Wenig Orchestrierung, wenig Consumption — oft völlig ausreichend.

  2. Expected

    Knowledge, ausgewählte Tools, klare Instructions. Spürbar mehr Möglichkeiten — und spürbar mehr Verarbeitung.

  3. High

    Tieferes Reasoning, MCP, Workflows, autonome Schritte. Maximale Capability — und der höchste Aufwand pro Lauf.

Mehr Agent ist nicht automatisch mehr Wirkung.

Warum das relevant ist

Einordnung

Mehr Capability ist nicht automatisch die bessere Architektur. Wenn eine Aufgabe zuverlässig mit einem einfacheren Agent Design funktioniert, brauche ich möglicherweise weder maximale Reasoning-Tiefe noch eine besonders komplexe Orchestrierung. Und genau hier verändert sich meiner Meinung nach gerade die Arbeit mit Agents: Wir müssen nicht mehr nur entscheiden, ob wir einen Use Case automatisieren können. Wir müssen bewusster entscheiden, wie viel Agentic Work dieser Use Case tatsächlich rechtfertigt. Das sehe ich übrigens nicht nur in Copilot Studio — auch Cowork macht mit unterschiedlichen Effort Levels deutlicher sichtbar, dass komplexeres Reasoning und mehr Autonomie einen Preis haben. Das Thema landet deshalb ziemlich sicher noch ausführlicher in meinem Field Lab: Ich möchte unterschiedliche Agent Designs bewusst gegeneinander testen. Wie verändert sich das Ergebnis, wenn wir denselben Use Case Lean, Expected oder High aufbauen? Das dürfte spannend werden.

Mein Takeaway

· notiert

Die beste Agent-Architektur ist nicht automatisch die leistungsfähigste. Sie ist diejenige, die für den konkreten Use Case genug Capability liefert, ohne unnötige Komplexität und Consumption zu erzeugen.